BAUVORHABEN

MEILENSTEIN FÜR DIE GEMEINDE

Nach zwölf Jahren Diskussionen und Verhandlungen beginnt in Gilching das offizielle Verfahren zur Bebauung.

Gilching (6. Dezember 2017) – Aufatmen in Gilching: Erst sah es bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend so aus, als würde die seit vielen Jahren geplante Bebauung der Gilchinger Glatze erneut auf die lange Bank geschoben. Dann aber fiel der Beschluss zur Auslegung des Bebauungsplanentwurfes und zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung doch noch, und zwar einstimmig. Für die Zukunft der Glatze ist dies ein Meilenstein.
Man schrieb das Jahr 2005, als eine Jury das von Architekt Marcus Rommel eingereichte Konzept zur Bebauung der Gilchinger Glatze als besten Beitrag prämierte. Seither wurde verhandelt, geplant und ein aufwendiger Bürgerdialog durchgeführt. Immerhin mussten sich die 42 Grundstückseigner mit den Plänen identifizieren, um einer sogenannten Flurbereinigung zuzustimmen.
Das Umlegungsverfahren hat bereits stattgefunden, nun geht es ans Eingemachte. Wie berichtet, soll auf dem rund 12 Hektar großen Acker Wohnraum für rund 1700 Menschen geschaffen werden. An der Kreuzung Starnberger Weg/Karolinger Straße sind zudem ein sechsstöckiges Hotel beziehungsweise diverse Dienstleistungsunternehmen vorgesehen.
In der Ratssitzung am Dienstag bemängelte unter anderem Fritz Wauthier (SPD) die militärische Anordnung der acht Mehrfamilienhäuser entlang des Starnberger Wegs. „Das Ganze ist zu steril. Wir haben uns so einen Baustil in Bildern bei Stuttgart angeschaut. Das war nicht nach unserem Geschmack.“ Rommel sicherte jedoch zu, dass innerhalb des Bauleitverfahrens Änderungswünsche vorgebracht und auch berücksichtigt werden können. „Es ist die Aufgabe des Gemeinderats, darauf zu achten, dass eine hohe Wohnqualität entsteht“, betonte er. Zudem sei jeder Bürger aufgerufen, innerhalb der vorgezogenen Bürgerbeteiligung seine Bedenken und Anregungen vorzubringen.
Kein Leichtes wird es werden, den Verkehr am Starnberger Weg in den Griff zu bekommen, räumte der Verkehrsexperte Professor Hans-Jürgen Lang ein. Zwar ist auf Höhe Sonnenstraße/Bahnweg ein Kreisverkehr vorgesehen. Ob jedoch die Straße entlang der Bahnlinie Richtung für den Autoverkehr geöffnet werden soll oder ob es ein Weg für Fußgänger und Radfahrer bleiben wird, müsse erst noch geklärt werden. Zumal das gesamte Areal zwischen Starnberger Weg und Ortszentrum autofrei bleiben soll. Für die rund 1700 Bewohner jedoch sind Tiefgaragen vorgesehen.
Kritik gab es seitens einiger Gemeinderäte, da die als Herzstück der Planung offerierte Landschaftssenke zwischen Glatze und Landsberger Straße planungsmäßig abgekoppelt worden ist. Unter anderem monierte Christian Bauer (CSU), dass die Landschaftssenke im Bebauungsplan-Entwurf nicht mehr auftauche. Seine Befürchtung ging in Richtung "kleine Landesgartenschau", für die sich die Gemeinde bereits beworben hatte. "Ohne die Senke haben wir keine Chance, sie je nach Gilching zu holen", mahnte Bauer. Fraktionskollegin Heutelbach erinnerte zudem daran, dass es für das Stuttgarter Architekturbüro Rommel, das 2005 als Sieger aus dem städtbaulichen Wettbewerb hervorgegangen ist, ohne die Landschaftssenke „keinen ersten Preis“ gegeben hätte. Bauamtsleiter Max Huber erklärte dem Gremium, dass die Abkoppelung von der restlichen Bebauung durchaus Sinn macht. „Starten wir den Bebauungsplan ohne die Landschaftssenke, kann die Bahn lediglich als Träger öffentlicher Belange eine Stellungnahme abgeben. Nehmen wir die Senke gleich von Anfang an mit auf, hat die Bahn volles Mitspracherecht. Und das kann dauern.“
Bürgermeister Manfred Walter erinnerte die Fraktionen daran, dass die Beschlüsse zur Gilchinger Glatze künftig ausschließlich der Bauausschuss fassen wird. „Es ist jede Fraktion aufgerufen, Änderungswünsche als Anträge zu formulieren und zur Abstimmung in den Bauausschuss mit einzubringen“, sagte Walter. Der Bebauungsplanentwurf wird nun angepasst und ist voraussichtlich ab Anfang nächsten Jahres im Gilchinger Rathaus einsehbar. Mit Beginn der Bebauung rechnen Experten frühestens Ende 2018. Uli Singer